Alles in einem Gang


Als gemeinnützige GmbH innerhalb der Vitos GmbH ist das Krankenhaus Vitos-Riedstadt auf die Behandlung psychisch kranker Menschen spezialisiert. Die lange Verweildauer von mehreren Wochen oder Monaten zieht umso höhere Ansprüche an die Verpflegung nach sich, die jetzt modernisiert und vom Tablett- aufs Schöpfsystem umgestellt wurde.

Das bisherige "Zentrum für soziale Psychiatrie Philippshospital" besteht bereits seit 1535 und gehört damit zu den ältesten psychiatrischen Krankenhäusern weltweit. Umstrukturierungen läutete 2008 die Übernahme in die Vitos-Holding ein, zu der zwölf Tochtergesellschaften an knapp 60 Standorten zählen. So galt es, das Speisenangebot der neu betitelten Vitos.

Riedstadt GmbH den festgelegten Mindeststandards der Vitos-Holding anzupassen. "Wichtig dabei war, zur Zufriedenheit aller Kunden die ernährungsphysiologische Ausgewogenheit zu sichern, ethnische Belange zu berücksichtigen und nicht zuletzt eine leicht verdauliche wie auch abwechslungsreiche Kost mit Berücksichtigung vegetarischer Ernährungsgewohnheiten zu bieten", erläutert Jürgen Hva).a, Leiter Zentralküche, Cafeteria und Bäckerei, die Anforderungen bei der Einführung eines dritten Wahlmenüs. Insgesamt produziert die Zentralküche täglich 650 bis 680 Essen für ein breites Spektrum von Gästen, darunter Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung, psychisch kranke Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche. 220 der Gesamtessen verlassen das Klinikgelände als Essen auf Rädern oder als Großgebinde für Kindergärten.

Um die Speisenverteilsysteme der von der Zentralküche belieferten internen Einrichtungen zu vereinheitlichen, hat man - nach dem Maßstab einer Klinik für forensische Psychiatrie - auf ein Schöpfsystem mit Großgebinden umgestellt. Vorher verteilte die Küche per passiv beheizter Tablettsysteme mit Kunststoff-Clochen. Seit Dezember 2011 kommen in der Zentralküche 27 neue Socamel Multiserv-Verteilwagen mit Umluftlechnologie zum Einsatz, um die Speisentemperatur bis zum Erreichen der Patienten zu halten. Mittags werden darin drei Mahlzeiten in einem einzigen Arbeitsgang auf die Stationen verteilt: Mittag- und Abendessen des aktuellen und Frühstück des Folgetags, jeweils in Großgebinden vorportioniert. Diese vorgezogene Verteilung brachte einen erheblichen zeitlichen Gewinn mit sich, erforderte aber auch eine Umstrukturierung der Portionierungs- und Ablaufplanung. Damit alles klappt, wurden die Grundlagen in einer eintägigen Mitarbeiterschulung vermittelt.

Auf Station gebracht werden die drei Mahlzeiten verteilt auf die Warm- und Kaltfächer. Erstere nehmen die wannen Mittagskomponenten, die gekühlten Fächer dagegen die kalten Mittagskomponenten, das Abendessen sowie das Frühstück auf. Abendmahlzeit und Frühstück werden dabei auf der Station bis zur Ausgabezeit in Kühlschränken zwischen gelagert. Die so entleerten Verteilwagen gelangen am Nachmittag zurück in die Zentralküche, um dort gereinigt und an der Energiestation angedockt zu werden.

Kombination überzeugte

Der Umstellung ging eine öffentliche Ausschreibung voraus. Lacher Großküchen aus Darmstadt erhielt den Zuschlag als kompetenter Dienstleister, der zudem na he bei Riedstadt liegt und in Kürze für mögliche Serviceleistungen vor Ort kommen kann. Die Speisentransport wagen von Socamel punkteten über die Preisvorstellung hinaus durch die Kombination aus Kühl-und Wärmewagen mit aktiver Kühlung. So verfügen die großen Multiserv-Wagen (Modell Senior) über ein beheiztes und ein gekühltes Fach, die kleinen Wagen (Modell Junior) nur über ein beheiztes. Darüber hinaus überzeugte deren ergonomische Handhabung, die leichte Bestückung und Reinigung. Das intuitive Bedienfeld ermöglicht die Programmierung von automatisch der manuell zu startenden Erhitzungszyklen. Im Vitos Riedstadt werden alle Heiz- und Kühlzyklen vollautomatisch gesteuert.

Die Option i-Serv erleichtert durch zwei Smartcards und eine USB-Schnittstelle die HACCP- Temperaturdokumentation. Als Sonderausstattung wurden die Wagen mit einer Sicherheitsvorrichtung für die Temperaturaufzeichnung versehen.

Energie hat sich gelohnt

"Die Umstellung hat von der Vorbereitung bis zur Umsetzung mehr als ein Jahr Organisation erfordert", berichtet der stellvertretende Küchenleiter Andreas Dörfler, der den gesamten Prozess miterlebt hat. Die Speisenverteillösung beurteilen jedoch alle Betroffenen positiv, inklusive Küchenleiter Jürgen Hvala, der erst seit rund sechs Monaten in der Zentralküche tätig ist. "Die Umsetzung selbst erfolgte in nur zwei Tagen ", sagt Harald Schneider, Verkaufsberater Speisenverteilsysteme bei Lacher Großküchen. Baulich am aufwendigsten war dabei das Einbringen der Energiestation, die die Verteilwagen versorgt. Dafür mussten die Stromversorgung angepasst und der Fußboden durchbrochen werden. Doch für die Küche hat sich der Aufwand gelohnt: Durch die Umstellung konnte die Parkfläche der früheren Verteilwagen abgeteilt werden und dient nun als Trockenlager. Nicht zuletzt profitieren viele Patienten von temperaturtreuen Speisen und einer größeren Auswahl.

Auf einen Blick

Vitos-Holding

  • Vitos GmbH: Strategische Unternehmensholding mit zwölf gemeinnützigen Unternehmen, gesteuert vom Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV Hessen)
  • Kernaufgabe: Behandlung von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen in psychiatrischen Kliniken bzw. Kliniken für forensische Psychiatrie (stationär/teilstationär); begleitende psychiatrische Dienste und heil sowie sozialpädagogische Einrichtungen
  • Jährliches Umsatzvolumen: 500 Mio. €

Vitos Riedstadt GmbH

  • Bettenzahl: rund 400
  • Essenszahl: 650-680/Tag, davon 220 extern
  • Speisenverteilung: nur noch einmal täglich im Großgebinde; Speisentransportwagen enthalten Mittag- und Abendessen des aktuellen und Frühstück des folgenden Tags
  • Ausgewählte Ausstatter:
  • Speisenverteiltechnik: Multiserv-Wagen von Socamel
  • Dienstleister: Lacher Großküchen
  • Kühltechnik auf der Station: Liebherr
  • Energiestation: Müller Feinblech
  • Bain-Maries: Rieber